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KAROSSERIE
So problemlos die Technik der Baureihe W 114/115 ist, so katastrophal kann sich die strukturelle Beschaffenheit des selbsttragenden Aufbaus auswirken: Strich-Achter können von gerade/u schauderhaftem Rostbcfall gezeichnet sein, der in den meisten Fällen nicht einmal ohne weiteres erkennbar ist. Bei den Vorgängern des Baumusters W 110 sprach man im fortgeschrittenen Gebrauchrwagenstadium oft bissig von der »Rostflosse« - die Strich-Achter sind in dieser Disziplin jedoch kaum überlegen. Eine planmäßige Hohlraumversiegelung wird erst im August 1971 eingeführt. Altere Exemplare fielen in Heerscharen dem frühen Rosttod /.um Opfer. Selbst sorgfältig gepflegte und bei Mercedes-Benz-Vertragswerkstätten aufwendig gewartete Wagen aus den ersten Produktionsjahren sind -falls sie überhaupt überlebt haben — bereits mehrfach geschweißt worden. Aber auch nach dem Ergreifen von Rostschutzmaßnahmen ist nur eine suchte Besserung zu vermerken. In den
Jahren 1973 bis 1975 führt Daimler-Benz aus den USA relativ kohlenstoffreiche Tiefziehble-che ein, die mit dem Sauerstoff in Luft und Wasser weitaus korrosionsfreudiger reagieren.
Wegen dieser nicht zu unterschätzenden Risiken ist es unabdingbar, einen zum Verkauf stehenden l 14er oder l 15er in die Unterwäsche zu gucken - ihn auf einer Hebebühne einer gründlichen Sicht-, Klopf- und Stocherprüfung zu unterziehen. Eine Blechrestaurierung kann sonst ohne weiteres erheblich umfangreicher und damit kostspieliger werden als bei manchen deutlich teureren Automobilen. Das Kosten-Gegenwert-Verhältnis liegt dann gewaltig schief, ein womöglich notwendiger Wiederverkauf wird zum kapitalen Verlustgeschäft. Dem Verfasser sind einige Strich-Achter in Sammlerhand bekannt, die in einer finanziellen Größenordnung zwischen 30.000 und 40.000 Mark instandgesetzt wurden, obwohl der Restaurierung augenscheinlich ausgezeichnete Ersthandautos mit ziemlich geringer Laufleistung zugrunde lagen.
Überaus häufig; von der braunen Pest befallen
Vorne sieht's ein wenig besser aus:
Korrosionsbedroht sind aber die
vorderen Schwellerspitzen im Be-
reich der Kotflugelverschraubung,
da sie dem Spritzwasser ausgesetzt
sind. Frühe Strich-Achter - vor
Sommer 1971 — besitzen noch
keinen werksseitig aufgetragenen
Unterbodenschutz, sondern einen
teilweise in Wagenfarbe über-
lackierten, dünn aufgetragenen
Steinschlagschutz.

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