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V und 9.350 Mark für den 170 S-D bedeuten indessen durchaus keine Dumpingpreise und stellen das häufig gebrauchte Attribut »Sparmodell« in Frage. In dieser Preisspanne erhält man 1953 in Deutschland auch den geräumigeren, in puncto Fahreigenschaften und Fahrleistungen überlegenen und im Komfort mindestens ebenbürtigen Citroen l l CV in der Ausführung »Normale«. Allenfalls im Finish kann der 1,9-I.i-ter-Frontantricbs-Franzose nicht mithalten. Aber der »Traction« bleibt hierzulande trotz seiner unbestreitbaren Qualitäten eine Randfigur, denn die vorurteilsfreie Zuneigung zum Nachbarvolk jenseits des Rheins befindet sich noch in weiter Ferne...
Beim 170 S-V fallt die Ersparnis geringer aus als beim Diesel - kein Wunder, daß von den 18.009 Wagen dieses zweistimmigen Abgesangs der 170er-Reihe nur rund ein Sechstel zur Benzinversion zählt. Die Käufer der Ottomotor-Versionen waren in jenen Jahren die deutlich anspruchsvolleren und heikleren Kunden. Wer ist schon bereit, auch für einen elfprozentigen Preisnachlaß einen technischen Rückschritt und das (unberechtigte) Flair des Billigmodells auf sich zu nehmen? Daß der 170 S-V zu einer Art Flop werden mußte, liegt auf der Hand. Die immer lahmer werdende Nachfrage bedingt den vorzeitigen Produktionsstopp des Benziners im Februar 1955. Der 170 S-D dagegen bevölkert noch lange die Taxistände, nagelt im morgendlichen Grau der Schlachthöfe vor sich hin und dient aufstrebenden Handwerkern als unermüdliches Zugtier und sonntägliche Familienkutsche. Beim Diesel steht eindeutig die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund der Kaufentscheidung, wie zahllose zeitgenössische Rechenexempel zeigen. Er ist mehr Zweckfahrzcug als Repräsentationsinstrument und wird planmäßig bis September 1955 gebaut. Insgesamt sind von allen Ausführungen und Motorisierungsvarianten der 170-»Sonder-klasse« 70.285 Exemplare entstanden.
DER 220 VERBINDET NACH OBEN
Nicht nur der Vollständigkeit halber soll hier auf ein Auto eingegangen werden, das hinsichtlich Preisniveau und Klientel in der bei etage angesiedelt und genaugenommen bereits der Oberklasse zuzuordnen ist: Der im April 1951 zusammen mit dem solitären, posthum als »Adenauer« apostrophierten Repräsentationsmodell 300 auf der 1AA in Frankfurt vorgestellte und im August des gleichen Jahres in Produktion gehende 220 (W 187) ist der eigentliche Urvater der S-Klasse heutiger Diktion. Das beweist die typologische Genealogie zweifelsfrei. Der Zwo-7.wanziger löst den 170 S als das Repräsentationsauto mittelständischer Unternehmen schlechthin ab. Gar nicht so selten werden die nicht sonderlich geräumigen Wagen von einem Chauffeur gesteuert. Genaugenommen ist der 220 aber nichts anderes als ein von einem modernen Sechszylinder-Triebwerk befeuerter 170 S. Heute könnte man in ihm etwas wie ein frühes muscle car sehen - mit vergleichsweise starkem Motor in kompakter Hülle.
Verlosung eines Mercedes 220 im
Spielcasino Baden-Buden 1952.

Der 220 hat sich mit der nur milde modernisierten Karosserie des 170 S zu begnügen, denn für komplette Neuentwicklungen fehlen noch die Mittel. Hin/ig die Frontalansicht birgt ein Zugeständnis an den Zeitgeschmack: Die Hauptscheinwerfer sind in die Kotflügel integriert. Dieses durchaus nicht neuartige Stilelement harmoniert überraschend gut mit der vom 170 S übernommenen Linienführung. Der Bug des 220 vermittelt schon im Stillstand das kraftvolle Fluidum von Geschwindigkeit, läßt sportliche Qualitäten erahnen. Bei unverändertem Radstand ist die Wagenlänge gegenüber dem 170 S um fünf Zentimeter gewachsen. Dieser Zuwachs ist im vorderen Überhang zu suchen: Der Reihensechszylinder bedingt naturgemäß eine längere Motorhaube. Analog zum 170 S der Ur-Auflage gibt es den 220 zunächst in drei Aufbauvarianten: Limousine - im Originalton der deutschtümelnden dreißiger Jahre noch als »Innenlenker« bezeichnet -, viersitziges Cabriolet B und zweisitziges Cabriolet A. Diese offenen Versionen ersetzen mit ihrem Erscheinen die entsprechenden Cabriolets des 170 S. 1954 kommt noch in winziger Auflage ein Coupe auf Basis des A-Cabrios hinzu. Beim Zweisitzer harmo-
Vorserienmiisler lies 220 Olltriolet A.
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