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Der Verfasser kam dem auf den ersten Blick nicht sonderlich inspirierenden Auftrag, ein Buch über die besser unter dem Übernamen »Strich-Acht« bekannte Mer-cedes-Benz-ßaureihe W 114/115 der gehobenen Mittelklasse abzufassen, zunächst nur zögerlich nach. Schließlich können die braven Strich-Achter als typische Vertreter einer Gattung gesehen werden, die die Engländer »bread and butter cars« nennen - redliche, solide Alltagsautos ohne die gewisse Ausstrahlung, die ein Automobil jenseits aller Qualitätsansprüche zum individuellen Lustobjekt macht, das vielerlei Gefühle anspricht. Hie heutigen Kultautos der sich neigenden sechziger Jahre wie das Citroen D-Modell -die legendäre Göttin DS alias deessc -, der Jaguar S-Type oder etwa die Alfa Romeo Giulia lassen hei ersten Begegnungen zweifellos weitaus mehr Charisma und Fahrfreude spürbar werden und begeistern unmittelbarer und spontaner als ein behäbiger, nahezu perfekter und vielleicht gerade deshalb ein wenig zur Langeweile neigender Mercedes der gleichen Ära. Nein, der Strich-Achter hat kaum das Zeug dazu, zum »Automobil des Jahrhunderts« gekürt zu werden — erwartungsgemäß geriet er auch nicht auf die 1999 erstellte Auswahlliste mit exakt 100 automobilen Meilensteinen.
Aber können die geschilderten Glücksgefühle mit den ausgeprägten automobilen Charakterfiguren nicht auch sehr schnell ins Gegenteil umschlagen? Beim ersten ernsthaften Liegenbleiben unterwegs oder bei einer unverhofft notwendig gewordenen größeren Instandsetzung, wenn kapriziöse Technik und mangelhafte Reparatur-und Scrrvicefreundlichkeit dem Do-it-yoursclf ein unerwartetes Ende bereiten oder die alle zwei Jahre fällige Hauptuntersuchimg mißlingt, beginnen Enttäuschung und Reue die spontane Liebe zu dämpfen - falls man nicht von vor-nchcrein einen Vorrat an Toleranz angesammelt hat und diese Risiken als Automobilliebhaber von echtem Schrot und Korn bewußt eingeht. Unter diesem Aspekt erhält der Mercedes plötz-
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lich seine ureigenste Ausstrahlung, die ihn zum interessanten Restaurierungsobjekt und letztlich zum populären Sammlerstück macht: Das unnachahmliche Fluidum hochentwickelter Qualität, der Auswahl hochwertiger Materialien, erstklassiger Verarbeitung und unbedingter Verläßlichkeit - eben jene »wohlkalkulierte Perfektion«, von der das prominenteste deutschsprachige Automagazin auto motor und sport bei der Vorstellung der Strich-Achter sprach. Und damit ist er letztlich der wahre Charaktertyp, nicht wahr?
Diese »Liebe auf den zweiten Blick« war es auch, die schließlich die Arbeit an dem vorliegenden Band vorantrieb. Stimuli waren dabei die nostalgisch verklärten Erinnerungen an eigene Fahrzeuge dieser doppelten Typenreihe, vielerlei Erlebnisse mit Strich-Achtern im Freundeskreis und weit mehr als hunderttausend Kilometer, die mit Wagen dieser Modellfamilie im In- und Ausland zurückgelegt wurden. Die diesem Buch zugrundeliegende Philosophie wurde im buchstäblichen Sinn des Wortstammes mit nahezu allen Varianten der Strich-Acht-Sippe -vom 200D/8 bis zum 280E/8 - erFAHRen. Die Krönung dieser Einsichten und Eindrücke bleibt das langjährige Zusammenleben mit einem 250 CE Coupe, das als Sammlerstück nur sommers bewegt wurde - vorzugsweise in Südeuropa. In plastischer Erinnerung geblieben ist dem Chronisten aber auch die Begegnung mit einem teilweise getarnten Strich-Acht-Prototypen auf einer Osterreise per Borgward Isabella im April 1967 im Hochschwarzwald.
An dieser Stelle möchte ich all jenen Dank sagen, die mir bei diesem Buch helfend unter die Arme griffen - allen voran Dr. Harry Niemann und Stanislav Peschel vom Merccdes-Benz-Archiv. Dank gebührt auch den Strich-Acht-Liebhabern aus dem Kreis der Fränkischen Old-timer-Gemeinschaft in Bayreuth, die ihre Sammlerstücke für Fototermine zur Verfügung stellten.
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