Mercedes-typisch in Rufweite der Mode.
Das Dach des /8-Coupes war 4,5 Zentimeter tiefer gesetzt als das Dach der Limousine und verschaffte so auch dem Innenraum eine besondere Note. Durch die gedrungene Form und die mächtigen C-Säulen verbreitete sich eine dunkle, gemütliche Atmosphäre. Die Gesamtlinie gefiel den Testern der einschlägigen Automobil-Zeitschriften allerdings nicht sonderlich. Das Heck wirkte zu lang und das Dach im Verhältnis zum Grundkörper zu klein. Man stempelte den Wagen als Altherrenkutsche ab. In der Auto Zeitung sprach man gar von »biederer Einfalt«. Als das Nachfolgemodell vorgestellt wurde erhielt das gute alte /8-Coupe in der Presse die recht treffende Bezeichnung »Schuhkarton mit Baskenmütze«.
Heute macht die etwas skurrile Form mit Sicherheit einen erheblichen Teil des Coupe-Feelings aus. Ganz nebenbei ergab sich durch die Verkleinerung des Dachaufbaus und die deshalb vorverlegte Rück-bank ein gigantisches Kofferabteil mit einem Volumen von 61 0 Litern. Auch der Innenraum war durch die voll versenkbaren Seitenscheiben ideal zum Einladen sperrigen Transportgutes geeignet. Auf dem Dach dieses praktischen »Kleinlasters« waren in den Zierleisten Ausspaarungen zur Montage spezieller Dachträger untergebracht.
Aber sicher kaufte niemand den eleganten Wagen ausgerechnet wegen seiner Transportqualitäten. Die Kundschaft überzeugte nach der dezent exclu-siven Linie eher die im Vergleich zur Urlimousine wesentlich wohnlichere Innenausstattung. Am auffälligsten war sicher der breite Edelholzfurnierstreifen an der Instrumententafel und die harmonisch geschwungene einteilige Mittelkonsole. Boden, Einstiege und Hutablage waren serienmäßig mit Teppichmaterial verkleidet, doch mit der ersten Limou-sinenmodellpflege-schwanden einige dieser Coupe-Vorteile. Die Stoffbezüge der chrombeschlagenen Liegesitze entsprachen denen der S-Klasse, die Verriegelung der Sitzlehnen erfolgte automatisch über den Ansaugunterdruck sobald der Motor lief. Pneumatikzylinder wie bei der Zentralverriegelung bewegten kaum sichtbare Hebelchen, kein profa-
book0000 - 0100-1.jpg
Die Knickscheibe von innen. Die Musterfahrzeuge waren so perfekt
gearbeitet, daß man sie für »echt« halten konnte.
ner Griff entstellte die Sitzlinie. Entriegelt wurde die Mechanik beim Offnen einer Vordertür durch Ventile in den Türkontaktlichtschaltern, oder durch die Hinterbänkler über in der Fondseitenverkleidung versteckte Druckknöpfe, l 972 wollten die Untertürk-heimer die aufwendige Anlage durch eine mechanische Verriegelung ersetzen, aber der Chef der PKW Entwicklung Dr. Hans Scherenberg argumentierte dagegen, es handle sich dabei um einen »netten Gag«, der von der Kundschaft gewürdigt werde. So blieb uns der Spaß bis zum Schluß erhalten.
100